Warum überhaupt Hautpflege?

Dr. Sabine Schwarz mit verschiedenen Inhaltsstoffen Ihrer Produkte

Was kommt wo und wie an?

 

Die Aufnahme von Wirkstoffen über die Haut ist ein spannendes Thema. Lohnt sich das Eincremen oder wirken Pflegeprodukte nur auf der Hautoberfläche? Und können auch potenziell schädliche Inhaltsstoffe ungewollt durch die natürliche Hautbarriere eingeschleust werden?

 

 

Unsere Haut als Aufnahmeorgan

Jedes Lebewesen hat sein eigenes, individuelles Ökosystem. Innerhalb dieses Systems gibt es viele Faktoren, die über die Gesamtfunktion und das Wohlbefinden entscheiden. Daher kann jedes Organ auf seine eigene Art zeigen, ob es ihm gut geht – und das gleiche gilt auch für unsere Haut, das größte Organ des Menschen.

Wie wird die Haut regelmäßig gepflegt? Welchen äußeren Einwirkungen ist sie über die Jahre ausgesetzt? Wie ist der Gesundheitszustand der anderen Organe, die einen Einfluss auf die Haut haben? Neben diesen drei Aspekten beeinflussen auch viele andere den Zustand und die Aufnahmefähigkeit unserer Haut. Und kommt alles was wir an Kosmetik verwenden tatsächlich auch direkt über das Blut in unseren Organismus?

Tatsache ist:  Die bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigen die Annahme, dass ein Teil der aufgetragenen Wirkstoffe über die Haut aufgenommen wird und somit auch ins Blut gelangen kann.

Wie können Substanzen unsere Haut durchdringen?

 

Schematische Darstellung interzellulärer und transzellulärer Transportwege von Wirkstoffen durch die Hautbarriere mit Fokus auf Lipide, Ceramide und Zellstruktur.
Quelle: Anjamakie, Transportwege durch das Sc, CC BY-SA 3.0

 

 

Wie gelangen Wirkstoffe durch die Haut?

  • Interzellulär

Beim interzellulären Weg wandern Wirkstoffe zwischen den Hautzellen der Hornschicht (Stratum corneum) hindurch. Diese Zellzwischenräume sind mit Lipiden (Fetten) ausgekleidet, die wie ein Schutzmörtel zwischen den „Ziegelsteinen“ der Haut wirken. Nur lipophile (fettlösliche) Substanzen können diesen Weg effektiv nutzen. Viele pflanzliche Öle und liposomale Transportvehikel setzen hier an, um in tiefere Hautschichten vorzudringen.

  • Transzellulär

Der transzelluläre Weg führt direkt durch die Hautzellen selbst. Dabei müssen Wirkstoffe sowohl die äußere als auch innere Zellmembran durchdringen. Dies erfordert eine bestimmte Molekülgröße und chemische Beschaffenheit. Wasserlösliche Stoffe haben es auf diesem Weg schwerer – außer sie werden durch spezielle Trägerstoffe oder technologische Hilfsmittel wie z. B. Nanopartikel begleitet.

  • Über Schweiß- oder Talgdrüsen (transglandulär)

Hier erfolgt die Aufnahme über die Ausführungsgänge der Drüsen. Schweißdrüsen produzieren vor allem wässrige Substanzen, Talgdrüsen dagegen fettige Sekrete. Wirkstoffe, die diesen Weg nutzen, gelangen an der Hautbarriere vorbei über die Drüsenkanäle nach innen. Besonders bei sehr kleinen, fettlöslichen Molekülen ist dieser Pfad relevant, z. B. bei ätherischen Ölen oder lipophilen Vitaminen.

  • Über Haarfollikel (transfollikulär)

Ein unterschätzter, aber effektiver Weg: Über die Haarfollikel können Wirkstoffe bis tief in die Haut eindringen. Dort befinden sich viele Immunzellen, Nervenenden und Talgdrüsen. Besonders bei dicker oder verhornter Haut ist dieser Pfad hilfreich, da die Hornschicht hier umgangen wird. In der modernen Kosmetik nutzt man diesen Weg gezielt mit Technologien wie Microneedling oder speziellen Seren.

 

Wovon hängt die Aufnahme der Wirkstoffe über die Haut ab?

Ob bestimmte Wirkstoffe die schützende Hautbarriere durchdringen können, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem:

  • Physikochemische Eigenschaften der Wirkstoffe wie das Molekulargewicht und die Konzentration sowie die Zusammensetzung des kosmetischen Produkts
  • Zustand der Hautbarriere, Hautregion und Kontaktdauer mit der Haut

 

Symbol für die Aufnahme der Pflegemittel über die Haut

Gibt es wissenschaftliche Studien zur Wirkstoffaufnahme über die Haut?

Um ehrlich zu sein: „Für mich nicht genug“! Denn es ist kompliziert“

Die meisten durchgeführten Untersuchungen zum Thema „Absorption über die Haut“ basierten in der Vergangenheit auf Laborversuchen mit Tieren. Es gibt leider noch immer Länder wie z.B. China, in denen derartige Tierversuche noch immer üblich sind.  Unethisch für jeden Tierliebhaber wie mich und außerdem immer nur eine Annäherung an die Möglichkeiten menschlicher Haut. Heute wird daher meist „Laborhaut“ verwendet – ein aus Collagen und menschlichen Epidermiszellen rekonstruiertes Zellsystem als Hautersatz. So können wir mehr über wichtige Parameter wie Wirkung, Verträglichkeit oder Aufnahme von Wirkstoffen in Haut und Körper erforschen und lernen.

Viel Geld für Forschung kommt hier auch von Seiten der Kosmetikindustrie: So wurde gerade in den letzten Jahren durch die Entwicklung sogenannter Transportmoleküle viel erreicht. Sie binden sich an den Wirkstoff und transportieren ihn so durch die Hautbarriere – genau dorthin wo dieser seine Wirkung entfalten soll – ein System, das wir uns auch in unseren Pflegeprodukten zu Nutze gemacht haben.

Es ist also eindeutig bewiesen, dass die tägliche Pflege unserer Haut tatsächlich sinnvoll und notwendig ist, um unser größtes Organ gesund und schön zu erhalten. Die richtigen Pflegeprodukte mit wertvollen natürlichen Ölen und modernen, effektiven Powerwirkstoffen stärken die Hautbarriere und den schützenden Säuremantel. Außerdem soll Pflege rückfetten, befeuchten und nähren – oder Hautprobleme verbessern.

Mit dem heutigen Wissenstand sollte es selbstverständlich sein, auf die Verwendung von potenziell schädlichen Paraffinölen (billige Öle aus Nebenprodukten der Erdölindustrie) oder bedenklichen Konservierungsstoffen wie Parabene zu verzichten. Denn wie wir vorher gelernt haben, können leider auch diese über die Haut in unseren Körper gelangen.

Aber nicht vergessen! Jedes Pflegeprodukt muss immer auf Ihren Hauttyp oder Ihr Hautproblem abgestimmt sein. Um hier die richtige Wahl zu treffen, laden wir Sie gerne zu einer Hautanalyse ins Hautzentrum Wien ein.

 

Liebe Hautfreunde und Hautinteressierte!

Ich weiß – ein spannendes, aber komplexes Thema! Aber immer wieder höre ich von meinen Patienten und Patientinnen die durchaus berechtigte Frage, ob denn der ganze „Pflegewahn“ überhaupt berechtigt ist oder vielleicht doch übertrieben? Ich hoffe, mit meinem Beitrag ein wenig Klarheit und Information für Sie zusammengetragen zu haben – dieses Mal aus der Welt der Hautärztin, aber auch der Wissenschaft.

 

Portrait Dr. Sabine Schwarz

Ihre Dr. Sabine Schwarz

 

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